Low Approach

Irgendwie reizt es jeden Flieger. Tief, schnell und gut sichtbar für Zuschauer in Bodennähe vorbeifliegen. Am Segelfluggelände kann man den Streckenflieger, der stolz und fröhlich über die gelungene Leistung ist, beobachten wie der tiefe schnelle Anflug wieder in Höhe umgewandelt wird und am Motorfluggelände den Motorflieger, der seinen Oldtimer zur Freude der Zuschauer möglichst gepaart mit dem sonoren Klang eines Sternmotors in Ameisenkniehöhe über die Bahn fliegt.

Selbst an manch kontrolliertem Platz wird die Anfrage nach einem Low Approach akzeptiert vor allem wen ein passionierter Flieger den Dienst am Tower verrichtet.

Aber dass dies oft nicht so ganz legal ist, vermutet eigentlich auch jeder. Die Redaktion haben mehrfach Anfragen dazu erreicht.

Es macht Spaß und ist in den meisten Fällen ja auch sicher durchgeführt. Passieren sollte bei solchen Überflügen bitte nichts! Die Staatsanwaltschaft wird hinterfragen, welche rechtliche Grundlage denn für so eine Tiefflugübung heranzuziehen ist. Auch Versicherungen könnten anstrengend werden, wenn es zu einem Schaden kommt und diesem ein eigentlich unnötiger ungewohnt tiefer Überflug vorausging.

Die europäische Verordnung mit den Luftverkehrsregeln, die VO(EU) Nr. 923/12 auch „SERA-Verordnung“ genannt enthält in Ziffer SERA.3105 klare Ansagen zu den Mindesthöhen.

Außer soweit es bei Start oder Landung notwendig ist oder sofern es durch die zuständige Behörde zugelassen ist, dürfen Luftfahrzeuge über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten und Menschenansammlungen im Freien nur in einer Höhe geflogen werden, die im Fall einer Notlage eine Landung ohne ungebührende Gefährdung von Personen oder Sachen am Boden erlaubt. Die Mindesthöhen für Flüge nach Sichtflugregeln sind in SERA.5005 Buchstabe f festgelegt und die Mindesthöhen für Flüge nach Instrumentenflugregeln sind in SERA.5015 Buchstabe b festgelegt.

Mit Verweis auf SERA.5005 f) werden für Flüge nach Sichtflugregeln über Städten, anderen dicht besiedelten Gebieten und Menschenansammlungen im Freien 300 m (1.000 ft) über dem höchsten Hindernis innerhalb eines Umkreises von 600 m um das Luftfahrzeug als Mindesthöhe festgelegt.

Ansonsten gilt zumindest 150 m (500 ft) über dem Boden oder Wasser oder 150 m (500 ft) über dem höchsten Hindernis innerhalb eines Umkreises von 150 m (500 ft) um das Luftfahrzeug als Mindesthöhe.

Nach wie geistert manchmal noch die Meinung umher, bei Überlandflügen seien wenigstens 2.000 ft einzuhalten. Dies gilt tatsächlich seit Inkrafttreten der SERA-verordnung nicht mehr.

Klar ist jedoch: Wenn keine Landung, oder im Rahmen der Ausbildung eine Übung zur Landung (dort auch mit Fehlanflugverfahren) geplant ist, wird es schwer eine Unterschreitung der Mindesthöhe zu rechtfertigen. Auch wenn die Flugleitung vermeintlich eine Erlaubnis ausgesprochen hat. Die Stelle, die dies entscheiden dürfte, wäre nach § 37 Abs. 1 LuftVO in der Bundesrepublik die jeweilige Landesluftfahrtbehörde. Diese kann für besondere Zwecken für einzelne Flüge oder eine Reihe von Flügen Ausnahmen von den in Anhang SERA.5005 Buchstabe f der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012 vorgeschriebenen Mindestflughöhen zulassen, soweit dies für den jeweiligen Zweck erforderlich ist und dadurch keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung eintritt.

Bei den ab und zu mit fliegerischer Euphorie durchgeführten tiefen Überflügen kann es, auch wenn es nicht zu irgendwelchen Gefährdungen oder Schäden kommt teuer werden. Nach § 44 LuftVO handelt ordnungswidrig, wer gegen eine Vorschrift der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 923/2012 verstößt. Unter Ziffer 5 findet sich der Verstoß gegen SERA.3105 Satz 2 in Verbindung mit SERA.5005 Buchstabe f also die Unterschreitung des Mindesthöhe.

Nach § 58 LuftVG kann diese Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von bis zu dreißigtausend Euro geahndet werden! Das passiert in dieser Höhe nicht. Aber ein vierstelliger Betrag ist nicht ungewöhnlich. Das ist der kurze Spaß beim Überflug nicht wert. Nicht unterschätzen dabei sollte man das Mitteilungsbedürfnis von Fliegerkameraden, denen man vielleicht auch schon mal einen Stolperstein in den Garten geworfen hat. Solche Anzeigen und die allgegenwärtigen Handykameras sollten daran erinnern, diesen Teil der Spaßfliegerei bleiben zu lassen.

Den im Fliegermagazin 12/2019 abgedruckten Artikel finden Sie hier

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